KN Leser Uni- Vortrag zum Thema Sex war gut besucht

Dieses Thema zog. Zum zweiten Themenabend der aktuellen Vortragsreihe „KNow-how“ war der Hans-Heinrich-Driftmann-Hörsaal der Kieler Universität am Mittwochabend fast bis auf den letzten Platz belegt. Gleich zu Beginn seines Vortrages hatte der Forscher zwei ernüchternde Botschaften für die Damen und Herren im Publikum. Am Abend vor dem Vatertag versicherte er den Männern, dass sie aus evolutionsbiologischer Sicht nahezu unnötig seien. Den Frauen gab er mit auf den Weg: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“ Der Zoologe und Evolutionsexperte erforscht die Fortpflanzung von Organismen und stoße wie Generationen von Wissenschaftlern zuvor immer wieder auf die Erkenntnis: „Sex ist umständlich, aufwändig und riskant.“ Dies belegten die Vögel bei der Balz, Hirsche mit absurd großen Geweihen oder das alltägliche menschliche Verhalten. Äußerlichkeiten wie diese hätten oft nur ein Ziel: „Es geht darum, Spermien in eine Eizelle zu bringen.“
Lebewesen wie Blattläuse und die Hydra beweisen jedoch seit Jahrmillionen erfolgreich, dass es auch ohne die geschlechtliche Fortpflanzung geht. „Wozu also Sex?“ Mittlerweile gehen die Forscher davon aus, dass sich die Lebewesen „in einem ständigen Wettrüsten zwischen Wirt und Parasit“ befinden und sich über den Austausch der Gene bei der geschlechtlichen Fortpflanzung einen kleinen, aber dauerhaften Vorsprung verschaffen. Die Wissenschaft umschreibt dies mit dem „Sieg der roten Königin“ – angelehnt an die Geschichte von „Alice hinter den Spiegeln“, die an der Seite der roten Königin über ein Schachbrett hetzt und doch nicht von der Stelle kommt. „Hierzulande musst du so schnell rennen wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck bleiben willst“, erklärt die Königin in der Geschichte. Auf die Evolution übertragen bedeute dies: „Wir müssen uns ständig und unermüdlich ändern. Wenn wir aufhören, sind wir verloren“, so Bosch.
„Wir fanden den Vortrag sehr interessant“, sagte Manfred Bacher aus Schwentinental im Anschluss. Generell sei die Veranstaltungsreihe der Kieler Nachrichten in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrechts-Universität eine gute Möglichkeit für Laien, Einblicke in komplexe wissenschaftliche Themen zu bekommen. Für fast alle Vorträge habe er sich zusammen mit seiner Frau Gudrun bereits Karten gesichert. Vieles, was Prof. Thomas Bosch erklärt hatte, kannte Timo Salewski bereits aus dem Biologie-Unterricht. „Interessant fand ich den Aspekt, bei dem es um den Wettlauf zwischen Parasit und Wirt ging“, sagte der Kieler. Er war mit einigen Freunden in den Hörsaal gekommen. Auch wenn es ihr in Teilen „zu theoretisch“ gewesen sei, war der Abend dennoch „sehr informativ“, sagte Zuhörerin Regina Möller. „Das Thema gehört einfach zum Leben dazu.“

Von Paul Wagner, KN